Gesetzesreform schränkt Hilfe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ein

Seit kurzem liegt der erste UNICEF-Bericht zu Flucht und Migration von Kindern vor. Unter dem Titel „Entwurzelt“ wird das Ausmaß der unsicheren Situation von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren deutlich, sie müssen besonders häufig vor Krieg und anderen gefährlichen Situationen fliehen. Denn während die unter 18-jährigen nur rund ein Drittel der Weltbevölkerung stellen, sind etwa die Hälfte der Flüchtlinge minderjährig. Diese Kinder und Jugendlichen sind auf der Flucht vielen Gefahren und ausbeuterischen Schlepperbanden ausgesetzt, diejenigen, die ohne ihre Eltern fliehen müssen, leiden zudem massiv unter dem Verlust ihrer Familie. Diese Faktoren führen häufig zu schweren Traumatisierungen der Geflüchteten.

Brigitte ist 14 Jahre alt und sie ist Vollwaise. Sie ist Leiterin der Lagerpflege im Flüchtlingslager Mugunga II. Sie ist Schülerin im Zenrum von Paif Sarepta in Mugunga, wo sie lesen und schreiben lernt.Sie ist schlecht ernährt und braucht eine holistische Unterstützung.

Der besonders schwierigen Situation von geflüchteten Kindern und Jugendlichen trägt der Bericht mit abschließenden Forderungen an die Regierungen Rechnung. So wird etwa gefordert, allen geflüchteten und migrierten Kindern Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung sowie psychosozialer Betreuung zu gewähren. Diese Betreuung ist gerade für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge sehr wichtig, um traumatische Erlebnisse verarbeiten zu können.

Dem entgegen steht eine im BMFSFJ geplante Reform des Kinder- und Jugendhilferechts (SGB VIII). Laut internen Arbeitsentwürfen ist eine neue Hilfeform mit „ausgesprochen niedriger“ Betreuungsintensität für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge geplant. Die gerade bei dieser Gruppe von Kindern und Jugendlichen ausgesprochen hohen Hilfebedarfe werden so ausgeblendet. Die Begründung dafür ist zynisch: In einem internen Papier der Länder heißt es, die geflüchteten Jugendlichen seien bereits „sehr selbstständig“ – sodass eine „geringere Betreuungsintensität“ ausreiche.1

Wir erleben in unserer täglichen Arbeit, wie wichtig eine individuelle Betreuung für diese Kinder und Jugendlichen ist. Nur so können sie Erlebtes verarbeiten und befähigt werden, eine eigene positive Zukunftsperspektive zu entwickeln, um ihr Leben selbstbewusst und unabhängig gestalten zu können. Daher unterstützen wir ausdrücklich die Petition „KEINE EINSCHRÄNKUNG DER JUGENDHILFE – ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN FÜR GEFLÜCHTETE JUGENDLICHE!“ von Jugendliche ohne Grenzen und dem Bundesfachverband umF e.V. Unterstützen auch Sie diese Forderung und unterzeichnen Sie hier!

 

1. http://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/minderjaehrige-fluechtlinge-116.html

Weiterführende Links:
UNICEF-Bericht „Entwurzelt“
Themenseite des Bundesfachverbands umF e.V. zur Gesetzesreform
Beitrag des ARD-Magazins Monitor zum Thema